Die Mittelklasse erzählt sich ja gern Legenden über sich selber

ganz klar sind die da immer die Guten (das war schon vor Twi$$er so) aus einem bestimmten Grund muss man ja überdecken wie schäbig man die Arbeiterklasse behandelt und wie tief man im Arsch der Großbesitzer und der Eliten steckt (im Zweifel behauptet man einfach, dass es die alle gar nicht gibt).

Eine der übleren Legenden kam mit der 68er oder Hippie Bewegung auf, nämlich zu behaupten vor ihnen wären alle Rassisten gewesen und nur man selbst wäre jetzt endlich keiner (ja erinnert nicht umsonst an die aktuelle „Woke“ Bewegung). Meist ist genau das Gegenteil der Fall, wie man schön an der Musikgeschichte der USA sehen kann. Die Musik, die wir heute Rock’n’Roll nennen, ist hauptsächlich dadurch gekennzeichnet, dass sie die ungeliebten Musikstile der Zeit auf ungeahnte Weise verbindet. In erster Linie sind das die sog. „Racemusic“ und der „Hillbilly“ – also die Musik der schwarzen Arbeiterklasse und die Musik der weißen Arbeiterklasse. Diese Grenzen sind willkürlich. In der Realität war Armut vereinend und die Musk ist keineswegs getrennt voneinander entstanden, sondern ganz im Gegenteil, nur durch die permanente Mischung konnte Blues, Gospel, Jazz und Country überhaupt einstehen und nur durch die permanente Mischung entstand Rock’n’Roll.

Heute gibt es wieder so eine Diskussion, wer denn nun der Rock’n’Roll erfunden hätte. Im Moment soll es „Sister Rosetta Thrape“ gewesen sein, denn sie war schwarz, eine Frau und eventuell lesbisch. Passt also dem woken Kleinbürgertum wunderbar ins reaktionäre Weltbild. Mal abgesehen davon, dass diese Aussage historisch unhaltbar ist, ist sie einfach nur rassistisch und sexistisch. Es waren weder weiße Männer noch schwarze Lesben, die den Rock’n’Roll erfunden haben. Es waren alle zusammen und niemand darf fehlen. Hört nicht auf die verkleideten Chauvinisten. Sie lügen!

Der Rock’n’Roll der 50er hat mal kurz diese Grenzen gesprengt, war also wirklich revolutionär. Er wurde deswegen massiv von der etablierten Schicht bekämpft und es muss eine Erleichterung gewesen sein, als die angeblich so offenen Folkies Anfang der 60er dem Ne%er wieder seinen unterwürfigen Platz als Zupfgeigenhansel zugewiesen hatten. Die Musik wurde wieder in „Racemusic“ und „Hillbilly“ getrennt, nur nannte man es jetzt „Rock“ und „Soul“. Solche Leute wie Jimi Hendrix durften dann als Ausnahme die Regel bestätigen. Konzerte wie Allan Freeds Rock’n’Roll Jamborees hat es danach nie wieder so gegeben.