Ich war immer großer Fan von Slavoj Žižek

und bin es auch heute noch. Er hat mir viel gelernt, über Hegel, Lacan und eine mögliche Neuinterpretierung des dialektischen Materialismus und dass es eine linke Denkart gibt jenseits von paneuropäischem Lifestyle Getue und real existierenden Sozialdemokraten. Was mich wirklich erschüttert hat, war sein erstes „Pandemie“ Buch. Nicht wegen des genauen Inhaltes und seinen Schlussfolgerungen, sondern wegen des Verrates an der eigenen Sache. Eine der radikaleren Thesen Žižeks war, das die Linke immer dann versagt wenn eine „revolutionäre Situation“ entsteht. Wenn es einen Moment gibt, wo die zynische, antirationalistische Verwertungsgesellschaft kollabiert und Raum für eine Umgestaltung Platz macht. Die weltweite Pandemie war eine solche Situation und was macht Žižek? Einen Monat nach dem sie die westliche Welt erreicht hat?

Er schreibt ein Buch, in dem steht, dass wir jetzt keine Wahl haben, unsere oligarchische, auf Ausbeutung beruhende Gesellschaft ist das einzige, was uns jetzt noch retten kann. Historischer Materialismus? Selbstermächtigung? alles nie gehört? Ich fand das sehr enttäuschend. Man kann diese Position ja haben, vielleicht stimmt sie. Aber einfach das wofür man steht preisgeben? Einfach so? Ohne Diskussion in Anbetracht der Gefahr? Weiß nicht ist schwer zu verstehen.

Hier nun das erste Interview mit ihm, was ich seit Langem sehe. Und es macht es nicht besser. Ist er jetzt Platoinst? Die Welt als Idee? Benötige man doch keine blöde Kommunismus-Attitüde, wenn man die Grundidee dazu doch ohnehin ablehnt. Zu Recht nennt er sich am Ende selbst einen „moderaten Konservativen“ und was soll man sagen, einer der klügeren Sätze in diesem Interview..